Sommerzeit – Zeit zum Runterkommen

Es gibt tatsächlich eine Zeit im Jahr, in der Ruhe ist. Um die sozialen Kontakte ist es ruhig und selbst im Job, hat man mal die Möglichkeit Überstunden abzubauen. Scheinbar kommt so ziemlich jeder zur Ruhe.

Aber vielleicht ist es ja nicht anders als die Jahre zuvor auch, nur diesmal wirkt alles anders. Nach dem u.a. auch Corona-bedingten Stresspegel der letzten Monate und die darauf folgende „neue Freiheit“, genießen vielleicht doch die Menschen intensiver als sonst ihren Sommer. Wer weiß schon, was als nächstes kommt?

Vor paar Tagen hatten wir fast 24 Stunden einen wahnsinnigen Regen. Nach so viel Trockenheit der letzten Wochen fühlte es sich an, als ob gerade die Natur ins Nirgends eintaucht. Es regnete in Strömen, aber irgendwie so friedlich. Kein Unwetter, kaum ein Windchen und warm war’s dabei. Der Rhythmus des Regens hatte was beruhigendes. Kaum Menschen waren auf der Straße. Und ich hatte auch das Bedürfnis, einfach mal nichts zu tun. Einfach mal nichts machen zu müssen und zu wollen.

Ich schlief 11 Stunden. Tagsüber verlief alles in Zeitlupe. Wir machten uns im Wohnzimmer unsere Picknick-Oase, Jürgen organisierte Pizza (schon sehr früh mussten wir uns von einem vielfältigen Angebot an ins-Haus-Lieferungen verabschieden) und ich sorgte für die Trickfilm-Session mit der ganzen Familie. Und selbst bei Disneys „In einem Land vor unserer Zeit“ ist die Taschentücherbox dabei ein Muss.

Tierisches Vergnügen im Rostocker Zoo

Als sich die Wolken dann leer geregnet hatte, fühlte sich alles gereinigt an. Zögerlich zeigte sich die Sonne wieder. Bei gemäßigten Sommertemperaturen beschlossen wir, unsere Jahreskarte vom Rostocker Zoo zu nutzen.

In München hatten wir auch eine Jahreskarte. Unweit vom Münchner Zoo war Ricardos Kinderkrippe. Oft sind wir nur mal für eine Stunde Spazierengehen in den Zoo. Daher war ich ein wenig skeptisch, ob wir uns wirklich für den Rostocker Zoo eine Jahreskarte kaufen sollten.

So oder so. Wir taten es und es war eine gute Idee. Wir schlenderten ein wenig durch den Tierpark. Da wir diesmal den Seiteneingang nutzten, entdeckten wir Neues: Der Zoo wurde nämlich ursprünglich als Botanischer Garten geplant und gebaut, der „dendrologische Garten an der Trotzenburg“. Darum stehen dort auch zwei gigantische Mammutbäume. 1896 gepflanzt. Fast so alt wie unser Haus. Am Seiteneingang steht auch die Geschichte des Zoos niedergeschrieben. Traurig fand ich einen Teil: Den Zweiten Weltkrieg hatte nur ein Affe überlebt und der musste getötet werden, weil er irre geworden ist. Ansonsten war das ganze Areal voller Schützengräben.

Was mich mal wieder sehr beeindruckte, war die Freundlichkeit der Menschen. Am Parkplatz zeigten uns Touristen den Weg und andere boten uns ihr Parkticket an und ein weiterer Mann dann auch noch. Meine Mutter macht sowas auch immer ganz gern und jedes Mal dachte ich mir: „Oh Mann, Mama, lass doch einfach die Menschen in Ruhe!“. Doch eigentlich ist es schon eine coole Sache! Es tut ja nicht weh und anderen macht man eine Freude.

Aufm Rückweg erwischte ich mich beim Nachdenken. Ist das so ein Großstadt-Ding, also das man sich gar nicht für den Nebenan interessiert, oder gar so ein Ossi-Ding, nämlich dass man es eben einfach macht? Ich weiß es nicht. Aber ich fand’s nett. Darum nehme ich mir jetzt vor, auch anderen Menschen, die Parken wollen, mein noch nicht abgelaufenes Parkticket anzubieten.

Entdeckung der Glashäger Quelle

Auf dem Rückweg entdeckten wir nahe Doberan eine Ausflugsgaststätte. Sie ist nur wenige 100m von der Glashäger Quelle entfernt. Im Übrigen eine Wirtschaft, die mit nicht überteuerten Preisen glänzt, die wie hier überall dicke mit Münchner Preisen mithalten können, und mit sehr freundlichen Bedienungen. In Münchner Wirtschaften hatte man in den letzten Jahren oft das Gefühl, man müsse sich entschuldigen, dass man dort essen möchte.

Glashäger ist das einzige „große“ Unternehmen mit 62 Mitarbeitern in Bad Doberan. Das Mineralwasser Glashäger wird hier abgefüllt. Letztens sahen wir mal eine Doku, dass Mineralwasser in Deutschland nur von einer Quelle kommen kann, die dann auch noch entsprechend geprüft sein muss. Darum schmecken Mineralwasser auch so verschieden, weil es eben auf die Quelle ankommt. Wir fragten uns, was wohl Glashäger in Bad Doberan ist. Vor allem, was ist das für ein komischer Name? Und wo soll denn hier eine Quelle sein? Ist doch alles flach. Und siehe da: Durch Zufall entdeckten wir die Lösung.

Neugierig geworden, machten wir uns also heute auf die Suche nach der Quelle.

Und es gibt wirklich einen Ort, der Glashagen heißt. Ein kleines Dorf, das dem Glashäger Quellental seinen Namen gab. Kaum zu glauben, zwischen all den Wiesen und Feldern gibt es einen grünen bewaldeten Streifen. Zwischen einem wunderschönen Buchenwald schlängelt sich der Glashäger Bach. Unberührte grüne saftige Natur. Nur wenige Menschen waren unterwegs.

Wer auch auch sonst als die ersten Mönche, die sich hier niederließen und später die Herren des Doberaner Münsters waren, nutzten bereits das kostbare Quellwasser. Das Wasser wurde um die Jahrhundertwende zum Bahnhof nach Doberan gepumpt und wurde 1910 vom Kaiserlichen Patentamt als „Glashäger Urquell“ geschützt. Aus 17 Meter Tiefe wird das mineralhaltige Wasser mit einem ausgewogenen Gehalt an Kalium, Chlorid, Kalzium, Phosphor und Eisen gefördert.

In den 1980er Jahren siedelten sich unweit von Glashagen Künstler an. Der Kunstort Glashagen ist eine der Adressen rund um Kunst, Töpferei und kulturellen Veranstaltungen. Es gibt dort auch eine Glashütte, die erste in Mecklenburg.

Eine kleine Wanderung zum Abschalten und Runterkommen. Ein kleines Naturparadies gleich bei uns um die Ecke! Knappe 5 km entfernt. Wir sind uns sicher: Das Glashäger Quellental und seine Kultur müssen wir uns noch mal genauer anschauen.

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