Flucht aus dem Lagerkoller

Nun hatte mich die Isolation durch Corona oder aber auch durch die mangelnden vorhandenen Kontakte, was nach einem Umzug in eine neue Region naturgemäß normal ist, doch erwischt. Ich mag unser Haus, ich mag auch unseren Garten, ich mag es auch Hausherrin zu sein und selbst gestalten zu können. Wir haben keine elementaren Einschränkungen wegen Corona (abgesehen von geschlossenen Baumärkten). Wahrscheinlich bin ich auch ein wenig entspannter und entschleunigter geworden. Aber dennoch, ich merkte es deutlich und mein Bauchgefühl schrie förmlich danach: Ich muss raus.

Unser „altes“ Leben war von Reisen geprägt: Kurztrips, Städtetrips, Urlaube in neue Gegenden. Ricardo war von Anfang an ein Reisebaby und fühlte sich wohl in neuen Hotels und Umgebungen. München machte das Reisen auch ohne Auto ohne Probleme möglich: Ein super ausgebautes Bahnnetz und einen internationalen Flughafen gleich vor der Haustür. Mehr brauchte ich wirklich nicht für meine Reiseerfüllungen.

Nun aber schlug der Lagerkoller zu und fast nichts geht zu Corona-Zeiten. Doch ein bissel was geht schon. So fuhr ich übers Wochenende zu meiner Freundin nach Berlin. Mann und Kind ließ ich daheim. Das Wochenende sollte mein Wochenende sein! Oh Mann, endlich mal wieder vermiefte Stadtluft, viele unterschiedliche Nationalitäten auf den Straßen, Autolärm, volle U-Bahnen und ein Gefühl von International. Herrlich! Das Wetter war miserabel. Doch für einen Spaziergang am Spreekanal und am Landwehrkanal, war es vollkommen okay.

Ich hatte sogar das Reisen ein wenig verlernt. Die alte Routine, mal eben schnell was buchen, Koffer packen und Abfahrtszeiten timen, war weg. Ich war sogar so aufgeregt, als ob ich vor einer Weltreise stände. Kann man das Wegfahren verlernen?

Ja, die reisefreudige Lydia ist also trotz Haus und Garten noch da. Doch bereits das Ticketbuchen offenbarte meine neue Reisenormalität: Bad Doberan liegt bahntechnisch am Ende der Welt! Mal eben schnell in den Zug steigen und in alle Himmelsrichtungen optimal angebunden sein, das ist vorbei. Und genau das war einer der Gründe, warum ich mir die Entscheidung, nach Bad Doberan zu ziehen, so wahnsinnig schwer gemacht hatte. Ein kleiner Dämpfer für die Zukunft. Dennoch war das Wochenende so, wie ich es mir vorgestellt hatte: Raus und Neues erleben.

Arbeit gegen den Lagerkoller

Ich weiß nicht, woher der Lagerkoller so plötzlich kam. Ich habe keinen Grund, schlecht gelaunt zu sein. Im Gegenteil, im Grunde klappt alles ganz gut. Dennoch war mir auf einmal alles zu eng, zu unaufgeräumt, zu staubig, ohne Bewegung. Auch das Wetter machte träge. Die Isolation macht träge und fehlender Urlaub macht auch träge. Scheinbar ging es vielen so. Von vielen Seiten vernahm ich schlechte Laune, und ja, auch Corona-Maßnahmen-Frust.

Aber dass gar nichts voran geht, ist auch die halbe Wahrheit. Mein Naturell, dass alles immer in Bewegung und im Fluss sein muss, trügt mich auch manchmal. Natürlich ging es auch am Haus weiter. So war mein Stiefvater bei uns und die Männer machten sich daran, unsere Veranda wohnbar zu machen. Wie spannend ist es wieder, einige Schichten von Wand und Boden herunter zu nehmen: Was kommt wohl zum Vorschein?! In dem Fall waren wir vorgewarnt. Alte Fotos von 1898 zeigten, dass unsere heutige Veranda früher eine Loggia war, offen und mit Rundbögen. So überraschte es gar nicht, dass Steinboden mit einem Loch nach draußen für das Regenwasser zum Vorschein kam. Auch hat man sich nicht viel Mühe gegeben, den Rundbogen-Eingang in die Wohnung zu verdecken.

Unsere Veranda fast nackt.

Geschlossene Baumärkte bzw. das Click & Collect-System machen Umbauarbeiten nicht gerade einfacher. Zumindest bleibt Spontanität und Flexibilität auf der Strecke. Bis zur Fertigstellung und bis zu meinem Homeoffice-Büro in der Sonne werde ich mich noch ein wenig gedulden müssen.

Aber auch das ist okay. Zu tun haben wir reichlich, denn unsere Ideen und Wünsche und Träume gehen uns nicht aus. Nur vieles kann eben nicht klappen, wenn keine Energie da ist. Ich bin erst einmal wieder aufgetankt. Und morgen kommen die Handwerker … bald können einige Teilprojekte beendet werden.

Ostern steht vor der Tür! Wir machen und bereit und schmücken schon mal draußen.

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