Eine weiße Überraschung

Wir trauten am Samstag unseren Augen kaum: Schnee! Noch am Freitag haben wir sowas wie Winter in den Wind geschrieben. Wir hatten mit Gartenarbeit begonnen. Meterlange Brombeerhecken, gewuchert über die letzten Jahren, mit saftigen Brombeeren im Sommer warteten darauf, in ihre Grenzen verwiesen zu werden. Ich glaube, dass das Dornröschen-Schloss auch mit Brombeeren zugewachsen war. Zumindest stelle ich mir das immer vor, wenn ich unseren Garten betrete.

Jedenfalls hatten wir unseren ersten Garteneinsatz. Frische Luft pur und körperliche Arbeit. Oh je, war ich abends tot … Aber Spaß hat es schon gemacht.

Den ersten Schnee, und eigentlich auch Ricardos ersten bewussten Schnee, haben wir bei einem Morgenspaziergang in Nienhagen an der See genossen. Und anschließend bei einer Schneeballschlacht in unserem Garten.

Es tut gut. Tagelang schaute ich wirklich total neidisch auf Mitteldeutschland und auf den Süden. Und nun ist es auch bei uns weiß und kalt. Und übrigens, den Gehweg mussten wir auch nicht fegen. In unserer Straße scheint es einen motorisierten Menschen zu geben, der einen riesigen Spaß beim Schneeräumenfahren haben muss.

Die andere Seite vom Schnee

Es ist schon schön. Schnee und dazu noch stellenweise blauer Himmel. Doch einen bitteren Beigeschmack hat es doch: Ich habe seit Montag einen langen Arbeitsweg.

Meine kleine Auszeit ist nun vorbei. Mein neuer Arbeitgeber sitzt in der Landeshauptstadt, Schwerin. Eine schöne Stadt, doch knapp 100 km von Bad Doberan entfernt. Selbst die Einheimischen, die ja in langen Wegen sehr erprobt sind (in Mecklenburg-Vorpommern sind lange Strecken übers Land nichts besonderes), ziehen den Hut davor. Ich werde auch nicht jeden Tag diese Strecke fahren müssen. Corona hilft, den Sinn fürs mobile Arbeiten zu schärfen. So werde ich auch des öfteren im Homeoffice bleiben können. (Allerdings stelle ich mir dann schon die Frage, wie man so Leute kennen lernen soll.)

Als ich vielen erzählte, dass wir nach Mecklenburg-Vorpommern ziehen, war oft die erste Frage, ob ich denn schon einen Job hätte. Als ich verneinte, vernahm ich sehr oft große fragende Augen und auch Respekt (oder Irrsinn) vor dieser Entscheidung. Viele fanden diesen Schritt besonders mutig und sehr gewagt, einen neuen Schritt ohne einen neuen Job zu gehen. Ich habe mir nie ernsthafte Sorgen gemacht. Ich bekam ein gutes Arbeitslosengeld und war bereit für eine kleine Auszeit. Eigentlich hätte ich am liebsten etwas komplett anderes und neues machen wollen. So mutig war ich dann aber doch nicht. Ich war mir aber sicher, dass ich schon irgendwas finden werde. Angst machte mir lediglich das (Ost)Gehalt. Umso froher bin ich nun, wieder bei einem Arbeitgeber zu sein, der das gleiche macht, wie mein ehemaliger in München. Selbst beim Gehalt kam er mir sehr entgegen. Die Lücke Ost-West ist nun gar nicht so schlimm spürbar wie erwartet.

Was aber schlimmer ist: Ich bin das Arbeiten gar nicht mehr gewöhnt. Die dreimonatige Auszeit hat mich komplett aus dem Berufsalltag heraus katapultiert. Ein Alltag gab es schon, so gesehen viele unterschiedliche Arten von Alltag, langweilig war es auch nicht. Aber dass es so schwierig ist, wieder rein zu kommen, hatte ich nicht erwartet.

Ich bin gespannt, wie ich es hinbekommen werde: neuer Job, Organisationen der Hausangelegenheiten, Mutter und Ehefrau und Hausfrau. Es klingt schlimmer als es ist. Wahrscheinlich gehöre ich zu den wenigen Frauen, die einen Mann hat, der auch im Haushalt mit anpackt und die Kita-Dinge übernimmt. Wir waren schon in München ein gutes Team, warum soll es hier anders werden?

Gespannt bin ich auch, was wir noch von diesem Winter zu erwarten haben. Es warten noch so einige Brombeerhecken auf uns, das Treppenhaus wartet ebenfalls auf einen weißen Anstrich und die Doberaner Umgebung wartet auch auf uns, erkundet zu werden.

Ich habe die Vermutung, es wird nicht langweilig werden.

Heute Nacht schneite es weiter. Mein Respekt vor meinem Arbeitsweg steigt bei solchem Wetter. Es ist dennoch schön anzuschauen.

2 Gedanken zu “Eine weiße Überraschung

  1. Hallo Ly. Ich finde Deine/Eure Entscheidung sehr gut.
    Wozu die Zweifel, he? 🙂
    Es läuft doch auch bisher ganz ordentlich, nach allem, was Du erzählst.
    Am Hausbau geht nicht immer alles so glatt, als wenn man ein
    Ikea-Paket aufmacht. Ständig muss man nachbessern, und
    dauernd böse Überraschungen.
    Da finde ich es ein starkes Stück, wie weit Ihr schon vorangekommen seid
    in der kurzen Zeit. Ist nicht auch Corona und Lockdown und so? 🙂
    Also, Ihr habt doch echt was geschafft, könnt stolz sei.
    Jetzt hoffe ich, dass Du Dich gut „in den Arbeitsmarkt reintegrierst“, oder wie nennt Ihr das? Dass auch der Arbeitsalltag für Dich bald wieder normal wird, und dass die Arbeit Spaß macht.
    Bin gespannt, wie es weitergeht.
    Viel Glück bei allem! Bernd

    Gefällt 2 Personen

    1. Vielen Dank für die aufbauenden Worte. Bisher klappte es wirklich ganz gut. Vielleicht ist es auch, wie man auf die Dinge schaut. Wir versuchen schon, alles sportlich zu nehmen. Ansonsten kann man wahrscheinlich ein solches Projekt nicht stemmen.

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