Ein Lächeln geht immer

Gestern bin ich mit Ricardo durch Doberan gelaufen. Dafür, dass wir einen Lockdown haben, ist doch viel los auf den Straßen. Die Menschen schlendern mit ihren Kaffeebechern durch die Gassen, Handwerker sind busy unterwegs und junge Mütter schieben ihre Kinderwägen durch die Gegend. Das Wetter ist zwar nicht zum Schlendern, aber wenn wir Ricardo eh von der Kita abholen müssen und einmal draußen sind, kann man ja auch die Zeit zum Umschauen nutzen.

Ricardo lächelte einen älteren Herren an und spielte mit ihm Kuckuck. Da gramte der Mann seine Mundharmonika aus seiner Tasche hervor und spielte uns das Lied „Kuckuck ruft’s aus dem Wald“. Ich war schon irritiert. Ricardo wurde gleich ganz schüchtern. Es war nett. Er wünschte uns mit einem Lächeln noch einen schönen Tag und ging weiter. Das ist mir noch nie passiert, aber irgendwie passend für diese Stadt und ihre entspannten Einwohner.

Die Tage werden auch wieder länger und das Vogelgezwitscher nimmt auch wieder Fahrt auf. Wenn man so einen riesigen Garten hat, klingt das viel gewaltiger als ein Baum vor dem Fenster in einer Großstadt. Der Schnee braucht nun auch nicht mehr kommen, auch wenn wir nun einen Schneeschieber haben. Wir haben nämlich ganz Coronakonform das „Click and Collect“ beim Baumarkt ausprobiert und könnten nun rein theoretisch auch im Garten loslegen.

Morgen kommt der Elektriker. Jürgen und ich nutzen die Kita-Zeit und räumen im Haus. Nun ist das Treppenhaus dran – zumindest ein Abschnitt davon. Erstaunlich, wie viel Platz auf einmal ist, wenn man aufräumt und eine Ladung Zeug beim Wertstoffhof los wird. Das Treppenhaus ist für mich wichtig: Keine alte Kabelei aus der (gefühlten) Nachkriegszeit mehr, weiße Wände, Licht mit Bewegungsmelder … ich kann es kaum erwarten, wenn die Etappe geschafft ist. Und wenn dann auch noch die kleine Toilette im Flur nutzbar ist … Ich sag euch, man kann nie genug Toiletten haben!

Baustelle Treppenhaus mit Flurtoilette in der Hochparterre.

Von der Kultur des Streitens

Ja, eine besetzte Toilette kann zum Streit führen! Gut, dass wir mit dem Haus Möglichkeiten haben, diesen Streit zu umgehen. Doch man kann sich auch darüber streiten, wie diese Toilette eingerichtet werden soll: Wo sollen die Steckdosen und der Lichtschalter hin? Wie viele Steckdosen braucht man überhaupt? Eckwaschbecken oder lieber ein schmales normales? Wo sollen die Lampen angebracht werden? Jaja, selbst Gestalten können hat nicht nur Vorteile.

Ich habe schon immer viel über das Streiten nachgedacht. Es wird immer so negativ besetzt, weil es auch sehr darauf ankommt, wie man miteinander streitet. Jürgen und ich streiten objektiv gesehen auch, aber wir würden selten sagen, dass wir uns gestritten hätten, weil wir es so gar nicht empfinden. Trotzdem streiten wir darüber, wo wir diese Steckdosen und Lampen anbringen. Es kommt eben auf die gemeinsame Streitkultur an, wie man Meinungsverschiedenheiten miteinander austrägt und was am Ende dabei raus kommt. Was ich aber auch total wichtig beim Streiten finde, ist, dass es auf Augenhöhe passiert und man trotzdem immer respektvoll miteinander umgeht.

Eine Dame von einer Behörde, mit der mein Opa schon zu tun hatte, meinte zu mir: Mein Opa wäre ein „streitbarer“ Mensch gewesen. Oh ja, mein Opa mit seinem mecklenburgischen Stur- bzw. Stierschädel (der Stier ist im Wappen von Mecklenburg-Vorpommern) war schrecklich im Streiten, weil er mit seinen wenigen und unbewegten Worten immer recht hatte. Basta. Ich bewunderte meinen Opa, aber ehrlich gesagt, diese Streitkultur liegt mir aber doch nicht. Meine Oma hingegen, war ein Wirbelwind. Ich glaube, sie fand seine Art, Dinge miteinander zu diskutieren, auch nicht so toll, doch wiederum mit ihrer Art, immer positiv denkend und meistens immer mit einem Lächeln im Gesicht, ergänzten sie sich in ihrem Miteinander. Auch das ist respektvoll.

Wenn man Mr. Google mal befragt, was Streitkultur bedeutet, kommt natürlich als erstes Wikipedia: „Streitkultur zu besitzen bedeutet: mit Worten und Medien den eigenen Standpunkt vertreten zu können, ohne dem Anderen abzusprechen, dass auch er einen abweichenden Standpunkt besitzt und besitzen darf“. Die konstruktive Streitkultur trifft es aber besser: „Der Grundsatz einer konstruktiven Streitkultur lautet: Konflikte zwischen Einzelnen und Gruppen sind Normalität. Sie sind die natürliche, ja notwendige Folge eines lebendigen menschlichen Zusammenlebens. Das Problem ist weniger, ob es Konflikte gibt, sondern wie sie ausgetragen werden, d.h. wie die Konfliktpartner miteinander streiten: besonnen-kooperativ oder autoritär-gewalttätig.“ Genau, Streiten gehört zu einer Partnerschaft oder eben auch zu der Gestaltung des eigenen Zuhauses.

Nach unserer Diskussion zu Licht und Steckdosen mussten wir wirklich lachen. Tatsächlich fühlten wir uns bereichert. Klingt komisch, aber es ist doch gut, wenn man unterschiedliche Ideen – wenn auch emotionaler – miteinander austauscht. Das Blöde ist nur, dass ich nun mal meine Vorstellungen habe und nicht abweichen mag, doch Jürgen kennt mich gut und weiß, dass man manchmal ein wenig mehr Schleifen bei mir drehen muss – es sei denn ich habe ihn mit meiner Beharrlichkeit schon vorher überzeugt (grins). Wir haben uns nun geeinigt, dass wir morgen einfach den Elektriker um seine Erfahrungswerte bitten werden.

Hütter Wohld – Ein kleines Naturparadies

Die Woche haben wir also geplant und diskutiert, organisiert, gestritten und wieder gelacht. Wir haben sozusagen den theoretischen Grundstein für unsere weiteren Aktivitäten gelegt und festgestellt, dass man vieles mit dem Internet anstellen und planen kann, aber bei der Planung zu Holz-Paneelen für die Veranda scheiterten wir dann doch. Gut, dass wir flexibel sind. Dann geht’s wahrscheinlich auch erst einmal ohne (und wahrscheinlich dann für immer, wenn man es nicht gleich tut).

Wir haben uns aber auch Zeit genommen und haben die wenigen Sonnenstrahlen ausgenutzt. So ein Sonntag Vormittag bei Sonnenschein und einer neuen Umgebung macht schon Spaß, nein besser: Es entspannt! Nein, dieses Mal war es kein Strand, sondern Wald, ein dichter Mischwald. Die Umgebung hat viel Wald, vor allem Mischwald, zu bieten. Wenn man eine Nase voll Mischwald einatmet und das gemischt mit einer Brise Ostseesalzluft, dann braucht mal keine Zusatzpräparate mehr, um sich gesund zu fühlen (durch den Wald sich sportlich betätigen würde es noch toppen). Das geht auch ganz natürlich. So erlebten wir den Hütter Wohld, ein Wald in der Nähe von Doberan, der die sogenannten Klosterteiche beherbergt.

Schade, dass ein Vormittag so wenig Stunden hat. Doch jede Minute hat sich für ein Dauerlächeln und eine entspannte Lydia gelohnt. Ich freue mich aufs nächste Mal.

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