Die Sache mit den guten Vorsätzen

Traditionen und Bräuche zu Silvester sind in der Gesellschaft fest etabliert. Und einige sind mir selbst auch wichtig. Die Italiener tragen zum Start in das neue Jahr rot. Das haben wir auch getan. Blei gießen und Tischfeuerwerk fiel aus (irgendwie gab’s nichts zu kaufen). Bräuche hin oder her, wichtig finde ich, dass man nicht im Streit ins neue Jahr geht. Ich bilde mir immer ein, dass das ein schlechtes Karma mit ins neue Jahr bringt.

Noch besser ist aber diese Sache mit den guten Vorsätzen. Ich habe gelesen, dass schon die höchsten Beamten im alten Roms am ersten Januar ihren Eid vor dem Kaiser Eid ablegten. Dies wurde mit einer großen Zeremonie gefeiert, bei der die römischen Legionen in einer Parade aufmarschierten. Diese jährlich wiederkehrende Veranstaltung diente dazu, das Band zwischen den Bürgern, dem Staat und den Göttern zu erneuern. In einer Feierlichkeit am Anfang des Jahres feierten die Römer daher auch Janus, den Gott des Neubeginns mit den zwei Gesichtern, von denen eines in die Vergangenheit und eines in die Zukunft schaut. Janus symbolisierte auch Werte wie Heim, Familie und Freundschaft.

Heimisch, familiär und freundschaftlich war’s auch bei uns. Wir hatten Freunde zu Besuch. Herrlich, ich mag es Hausherrin zu sein, doch noch mehr mag ich es, Gastgeberin zu sein. Dafür, dass ich mit dem Anziehen der Corona-Maßnahmen auch unsere Silvesterfeier ins Wasser fallen sah, hatten wir doch im Rahmen des Machbaren eine schöne Zeit zusammen – mit Familie und Freunden, eigentlich kann man das neue Jahr nicht schöner beginnen.

Ich gebe zu, das Besucher-Programm ähnelte dem Vorherigen: Stadt zeigen, Spaziergang am Strand und Molli fahren (diesmal nach Kühlungsborn). Doch startete der erste Besuchstag mit einem Orgelkonzert im Münster. So ein Orgelspiel im Münster ist schon sehr imposant. Man hat das Gefühl, die Töne verbreiten sich in der kompletten Kirchenhalle, im letzten Winkel.

Liste im Kopf und der Vorsatz Entspanntheit

Es waren schöne und entspannte Tage. So ungezwungen. Natürlich redeten wir auch übers Haus und unsere Pläne, aber wir redeten nur. Doch kaum sind sie heute abgefahren, ploppte schon eine Liste im Kopf wieder auf. Was liegt alles an? Da wäre noch immer die Veranda, die renoviert werden müsste, die Einfahrt müsste auch noch unbedingt in Angriff genommen werden bevor es eisig wird … oh … und das Treppenhaus braucht unbedingt einen Anstrich (dort habe ich eine München-Galerie geplant) … und noch wichtiger (wegen weiteren Besuchern): Die Toilette im Flur muss unbedingt instand gesetzt werden … ach ja, Projekt Keller hätte ich ja beinahe vergessen zu erwähnen.

Herrje, was für ein Start! Und dann wollen wir auch noch ganz entspannt und stressfrei durch den Alltag gehen und die Zeit intensiver mit Ricardo erleben. Ich fühle mich wie eine von diesen Super-Mamis, die das Optimalste aus jeder Minute herausholt. Mit einem perfektionierten Zeitmanagement wird das schon gehen …

Mir ist klar, dass das mit den guten Vorsätzen nicht so wirklich hinhaut. Tatsächlich haben wir uns nichts dergleichen ausgedacht. Das, was wir aber machten, war ein Plan, wie das weitere Vorgehen aussehen soll. Jürgen und ich hatten uns – vor Silvester – in einer ruhigen Minute zusammengesetzt und haben unsere Todos aufgeschrieben und an unsere Pinnwand in der Küche angehängt. Wir haben uns außerdem darauf eingeschworen, dass wir nicht an unsere Grenzen gehen wollen und dürfen. Das trendy Wort „Achtsamkeit“ haben wir zwar nicht ausgesprochen, aber im Grunde geht es in diese Richtung.

Doch einen Vorsatz hatten wir dann doch: Mehr mit dem Rad unterwegs sein. Solange die Temperaturen noch nicht klirrend sind, könnten wir den einen oder anderen Meter in die Natur auch mit dem Radl machen anstatt mit dem Auto. Um der Sache Ausdruck zu verleihen, hat Jürgen auch gleich heute unsere Fahrräder fahrbereit gemacht. Nun müssten wir nur noch losfahren …

Müllentsorgung am Dreikönigstag

Kaum zu glauben, nun leben wir schon drei Monate in Doberan. Die letzten Tage im Dezember waren wie eine kleine Auszeit (in der Auszeit), wir haben alle Renovierungstätigkeiten aufs Mindeste reduziert und mal durchgeatmet. Morgen, also der erste Montag im Jahr, startet wieder das Alltagsleben – ein wenig früher als gewohnt.

Nicht, dass ich wahnsinnig gläubig wäre … der evangelische Glauben liegt mir dennoch nahe. Wenn man aber als Nichtgläubige in Bayern lebt, dann kommt man auch dem katholischen Glauben näher. Spätestens bei den vielen Feiertagen in Bayern sollte man sich schon ein wenig mit einigen Biblischen Geschichten auskennen. Der 6. Januar ist so ein Tag. Gefühlt ging das neue Alltagsjahr immer erst ab dem 7. Januar los – nach dem Feiertag.

Auf einige dieser kirchlichen Feiertagen müssen wir nun zukünftig verzichten. So eben auch auf den 6. Januar. Umso mehr empfinde ich es schon als eine gewisse Ironie und … ja und auch fast schon … als Frevel, dass am Dreikönigstag bei uns unsere Mülltonnen geleert werden.

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