Urlaub oder daheim – irgendwie irgendwas dazwischen

Nun gehts los. Ich versuche mich darauf einzustellen, dass nun der Norden mein neues Zuhause ist, aber irgendwie klickt es noch nicht. Am Samstag sind wir zu meinen Eltern zurück gefahren. Unter anderen, weil ich ja auch Ricardo von meiner Mutter abholen muss. Doch ich gebe zu, es war auch eine Flucht vor den vielen Kartons, dem Chaos in der Küche (Ausstattung muss noch gekauft werden) und dem kalten Badezimmer (irgendwo in den Kartons ist meine Badezimmerausstattung und die Heizung funktioniert noch nicht).

Heute war ich mit meiner Mutter und Ricardo in Neubrandenburg am Tollensesee. Neubrandenburg, die „Stadt der Vier Tore“, war für mich immer ein ostdeutsche mittelgroße Stadt. Doch nun beobachte ich es schon aus anderen Augen: Es ist schon nett. Der Tollensesee ist am Rande der Mecklenburgische Seenplatte. Eine Gegend, wo viele Menschen Urlaub machen. Und eigentlich auch sehr idyllisch. Entspanntes Naherholungsgebiet mit wenigen Menschen.

Ricardo und ich aufm Spielplatz am Tollensesee.

Auf dem Spielplatz hatte ich tatsächlich ohne mein Zutun Mutti-Smalltalk. Außerdem hatte ich dort mein Handy verloren. Eine Mutter brachte es mir hinterher. Wäre mir das auch in München passiert? Es geht also los. Dieser ständige Vergleich mit München.

Letztens las ich, dass Ramersdorf, der Stadtteil in München, in dem wir lebten, knapp 118.000 Einwohner hat. Bad Doberan hat knapp 14.000 Einwohner (Tendenz ansteigend), Neubrandenburg hat 65.000 Einwohner und Greifswald hat knapp 60.000 Einwohner. München hat 1,5 Millionen Einwohner. Mecklenburg-Vorpommern hat ein paar Menschen mehr.

Faszinierend. Wie eng leben eigentlich die Menschen in meiner alten Heimat, in den Großstädten, aufeinander? Wie viel Platz hat eigentlich M-V? Ich glaube die Entschleunigung in M-V muss gar nicht weiter wissenschaftlich beleuchtet werden.

Heute Abend war ich mit meiner Mutter in Greifswald im Konzert. Beethovens 5. Sinfonie. Ein wohliges Gefühl: Das erste Mal seit Monaten gab es ein kulturelles Ereignis. Nicht in der Kulturhauptstadt München, nein, in Greifswald. Es hat Spass gemacht. Das Publikum (100 von 400 Plätze waren Coronabedingt besetzt) war hungrig nach Kultur und Orchester. Die Begeisterung für die Leistung des Dirigenten und sein Orchester war mega.

Das Theater Vorpommern-Greifswald macht trotz Corona weiter. Respekt!
Das Programm.
Die Bestuhlung zeigt die coronabedingten Maßnahmen. Traurig. Die Leistung der Künstler hat mehr verdient als 6 Plätze Zwischenraum.

Im Übrigen wurde das Greifwalder Theater – mit neoklassizistischen Stilelementen – 1914 eröffnet. Früher dachte ich, es wäre ein einfacher DDR-Bau. Doch mit den Jahren wird man ja gebildeter. Nun weiß ich, dass so viel vorhandene Originale ein wahrer Hingucker sind. Und die Eintrittspreise sind noch mal ganz andere. Ich überlegte mir heute: Die Staatsoper in München ist schon Wow mit Klasse. Das Feinste. Aber solche Kleinstadt-Theater haben es verdient, bedeutend mehr besucht zu werden als die Bayerische Staatsoper oder die Oper am Gärtnerplatz.

Am Ende kann ich es wohl drehen und wenden, wie ich will: Heute fühlte ich mich wie zu Besuch hier im Norden. Morgen fahre ich wieder in mein neues Zuhause. Ich werde in der kommenden Woche Behördengänge machen, die Gegend mit meiner Familie erkunden und eben die Wohnung bzw. das Haus wohnbarer machen.

Morgen hat Jürgen Wohnungsabgabe in München. Die letzte Etappe zum endgültigen Neustart.

2 Gedanken zu “Urlaub oder daheim – irgendwie irgendwas dazwischen

  1. Herzlich Willkommen! Hoffentlich habt Ihr bald Heizung und warmes Wasser. Das Theater ist ja wirklich ein Schmuckstück. Schade, dass diese Stätten derzeit nur mit angezogener Handbremse laufen dürfen.

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